Hallo Leutchen,
das Internet hier stuerst immer mal wieder ab. Werd das hier also regelmaessig sichern und falsch der Artikel mittendrin abbricht, heisst das, dass es abgestuerzt ist.
Heute habe ich die letzten Sachen erledigt. Hab mein kanadisches und das amerikanische Konto geschlossen. Heute und gestern hab ich mit Natalia getroffen und sie hat mir meinen Koffer
mitgebracht. Da sind Klamotten drin, von denen ich ganz vergessen hab, dass ich sie hab.
Wir sind durch die Gegend gelaufen und zum Strand runter. Seit zwei Tagen ist es furchtbar heiss und schwuel.
Die Fahrt von den Queen Charlotte Islands nach hier war etwas anstrengend. Auf der Faehre hab ich ein Paar getroffen, das zur gleichen Zeit auf Limestone Island war wie ich und sie haben mich von
der Faehrstation zum Bus gefahren. Dort hab ich die Mutter der Familie getroffen, bei denen ich zu Ostern in Prince Rupert war. Ihr Sohn hat mich wiedererkannt und sie war ganz ausser sich vor
Freude mich noch kennenzulernen. Das Buch fuer die Busfahrt, das ich im Thrift Store fuer 10 Cent gekauft hab, war bloed und ich war so muede die ganze Zeit, dass mir die Augen staendig
zugefallen sind.
Am letzten Tag, den ich auf der Farm in Tlell war, sind die die Ziegenbabys endlich geboren wurden. Wir haben zugeguckt und die Geburt des ersten auf Kamera aufgenommen. Das sah ziemlich
schmerzhaft aus. Die Ziege hat drei Babys bekommen, ein Maedchen und zwei Jungs. Die Jungs landen in ein paar Monaten allerdings im Gefrierschrank.
Am Samstag hat der Vater mich nach Massett mitgenommen. Er musste da was arbeiten und hat mir sein Auto geliehen. Damit bin ich nach North Beach gefahren und hab eine kleine Wanderung gemacht.
Der Weg geht ein Stueck durch Regenwald und endet an einem Strandabschnitt, wo ein grosser Felsen steht und ein sogenanntes Blow Hole ist. Die Wellen schlagen das Wasser so durch eine kleine
Oeffnung, dass es wie ein Geysir ein par Meter in die Hoehe zischt. Es war recht windig und wegen der vielen kleinen Felsen vor der Kueste schaeumt sich das Wasser so auf, dass es aussieht wie
dicke cremige Vanillesosse (hmm, lecker).
http://www.for.gov.bc.ca/dqc/Photo%20Gallery/Landscape/masset%20006.jpg
Danach bin ich einmal zum Strand runtergelaufen, aber ich hatte nicht mehr viel Zeit. North Beach zieht sich kilometerlang hin und ueberall ist Sandstrand und dahinter der Regenwald.
Als ich zurueck in Massett war, war der Vater doch noch nicht fertig und ich bin noch nach Old Massett gefahren, aber da war nichts besonderes. Ein paar Totempole, die aussahen wie alle anderen auch. Kann mich irgendwie nicht so recht fuer die begeistern.
Ausserdem bin ich noch fuer einen Abend nach Moresby Island rueber um den Leuten von Moresby Explorers Tschuess zu sagen. Es waren nicht alle da, aber wir haben lecker Dinner gegessen und weil da
niemand mehr unterwegs war, der mich haette zur Faehre mitnehmen koennen, hab ich dann da geschlafen. Der Freund der kleinen Schwester hat mich am naechsten Morgen zur Faehre gefahren, weil er
Touristen fuer einen Trip abholen musste. Auf der anderen Seite in Skidegate hab ich dann ueber eine halbe Stunde meinen Daumen ausgestreckt. Es war Sonntags morgen und kaum Verkehr und die
meisten Autofahrer haben mir signalisiert, dass sie voll sind oder bald eh abbiegen. Hab dann angefangen zu laufen und schliesslich hat doch noch jemand angehalten und wir haben uns so gut
unterhalten, dass ich die Einfahrt zur Farm verpasst hab. Bin dann wieder zurueckgelaufen bis mich wieder jemand mitgenommen hab. Das ganze hat ungefaehr zwei Stunden gedauert und ich hatte
schrecklichen Hunger. Aber wenigstens war es warm und das Meer schoen blau.
Jetzt zu Limestone Island:
Ich find nicht viele Fotos, aber es gibt ein kleines Video mit Fotos.
http://www.laskeekbay.org/virtual-tour.html
Wir sind mit dem Wasserflugzeug morgens hingebracht worden. Nach der Landung sind wir in ein Boot geklettert und von da aus zur Bootbucht gefahren. Von der Bucht bis zum Camp ist es ein halber
Kilometer auf einem kleinen Trampelpfad. Im Camp gab es ein kleines Haeuschen mit einem Raum, wo eine Kuechennische und ein Esstisch und Regale drin sind. Geschlafen wird in Zelten.
Der Bruder der beiden Schwestern von Moresby Explorers arbeitet dort als Biologe. Wir waren vier freiwillige Helfer und ein Kameramann, der Aufnahmen fuer ein Video fuer die Organisation gemacht
hat. Ich hab die meiste Zeit mit einer in meinem Alter aus Australien gearbeitet, weil die nderen zwei ein Paar waren.
Ein Job war zum Beispiel zu uebrpruefen, ob die Jungen einer bestimmten Spechtart schon geschluepft sind und ob die Kueken noch da sind oder das Nest schon verlassen haben. Die brueten in toten
Baeumen in Loechern. Die Baeume sind nummeriert und wir hatten eine Karte und eine Beschreibung, wie man zu den Baeumen hinkommt, aber die waren manchmal echt schwer zu finden Die zwei Hauptpfade
hatten kleine Pfosten, die den Meter anzeigten und in der Beschreibung stand dann, zu welchem Meterpfosten man gehen soll und von da aus soundsoviel Meter in eine bestimmte Himmelsrichtung.
Allerdings kann man nicht einfach gradeaus laufen, sondern muss sich einen Pfad zwischen den Baeumen und dem Gebuesch suchen. Praktisch sind die umgekippten Baeume, die kann man dann als Bruecke
benutzen und muss nicht soviel ueber all die Wurzeln und Aeste klettern.
Wenn wir einen Baum gefunden haben, haben wir dort eine halbe Stunde gewartet und notiert, ob wir die Kueken hoeren koennen und ob ein Elternteil auftaucht und ob dieses Futter mitbringt und so
weiter.
Eine andere Aufgabe waren die Austernfischer. Dafuer sind wir mit dem Boot zu verschieden Inseln gefahren, die als Brutstaetten notiert waren und haben dort nach den Nestern gesucht. Wenn die
Eltern uns gesehen haben, sind sie zuerst vom Nest weggeschlichen in der Hoffnung, wir haetten es nicht gesehen und sobald wir am Nest ankamen, haben sie einen furchtbaren Krach gemacht.
Die machen eigentlich gar keine richtigen Nester, sondern machen nur eine Mulde im Kies und legen dort ihre Eier ab (auf den Felsen nah am Wasser, aber logischerweise ueber der Flutgrenze). Die
Eier wurden dann vermessen und gewogen. Einmal haben alle drei Eier schon gepiepst.
An zwei Stellen sah man noch die Mulde, aber ohne Eier drum und dadrumherum ausgeschleckte Muschelschalen. Das heisst, dass die Kueken schon geschluepft sind und wir haben sie dann in all den
Felsspalten gesucht. Die grauen Kueken verstecken sich dort und ihre Eltern fuettern sie.
Das war immer spannend, wer als erster die Kueken findet. Die wurden dann auch wieder vermessen und gewogen und die leeren Muscheln wurden mitgenommen und dann bestimmt und gezaehlt.
Ein andermal sind wir Moewennester zaehlen gegangen. Das war auf einem grossen Felsen im Wasser, der komplett zugeschissen war. Wir waren meistens zu dritt, der Biologe und die Australierin, und
wir haben dann in Rufweite den Felsen abgekaemmt und die Nester gezaehlt und wieviel Eier drinnen sind und auch die schon leeren Nester. Dort hab ich dann zufaellig ein neues Austernfischernest
entdeckt.
In einem Nest waren Moewenkueken, die waren gelb mit brauen Sprenkeln.
Da die meisten der Inseln keine praktische Bootsbucht haben, haben wir das Boot an Kelp festgebunden und sind dann mit dem Anker an Land gesprungen und haben ihn dort zwischen Felskanten
eingeklemmt. Da das Kelp sich in der Stroemung von den Felsen wegbiegt, haelt es das Boot davon ab, gegen die Felsen zu knallen.
Vom Boot auf die Felsen zu springen, war immer spannend, da sie komplett mit Muscheln und glitschigen Pflanzen bewachsen sind. Wenn es windig war, musste man die naechste Welle abwarten und dann
einen sicheren Stand mit dem ersten Bein finden und schnell das andere nachziehen, bevor die Welle wieder nach unten geht. Ausserdem muss man genug Ankerleine lassen, sonst wuerd einen das Seil,
das am Boot befestigt ist, ins Wasser reissen.
An vielen der Inseln lagen riesige Seehundkolonnen, teilweise mit Jungen, die jedesmal eilig ins Wasser gekrochen sind, wenn wir zu nahe gekommen sind. Wir hatten immer unsere Fernglaeser dabei
und ich konnte sie gut beobachten. Wir sind auch an mehreren Seeloewen vorbeigekommen, die vor sich hingeroehrt haben. Als der Wnd aus ihrer Richtung kam, hab ich sie zum ersten mal gerochen. Bei
den Moresby Explorers Tours vermeiden die das, weil die Viecher ganz schoen stinken. Wie ein Raubtierkaefig.
Gewaschen haben wir uns aus er Schuessel oder mit einem Becher, mit dem man sich das heisse Wasser aus einem grossen Eimer ueber den Kopf giesst.
Die Australierin ist zur Anemonenbucht gegangen und hat dort gebadet. Ich wollte das auch gern machen, wollte aber heisses Wasser mitnehmen. Also hab ich heisses Wasser in einen der wasserdichten
Rucksaecke gefuellt, die die hier fuer die Bootsfahrten haben, und hab es quer ueber die Insel zur Bucht getragen. Im Wasser bin ich nur ein paar Minuten geblieben, hab mir meine Haare gewaschen
und bin zweimal kurz getaucht um das Shampoo auszuspuelen. Es hat sich etwas komisch angefuehlt, nackidei dort zu baden, obwohl da nun wirklich niemand zufaellig vorbeikommen kann. Es war
logischerweise eisekalt, aber es war um so besser, danach dann Becherweise das heisse Wasser ueber mich zu giessen.
Wir haben jeder eine Kopie der Insel gekriegt, wo die Pfade und wichtigen Punkte eingezeichnet waren. Ich bin jeden Pfad einmal gegangen. Einer fuehrt zu einem Aussichtspunkt auf einem hohen
Felsen. Von dort werden auch die Seebeobachtungen gemacht. Den Job hab ich nur einmal bekommen und bin mit Teleskop, Fernglas und Notizbuch bewaffnet dort rauf gewandert. Wir sollen alle
Meeressaeugetiere aufschreiben, aber ich hab keine gesehen. Spaeter hab ich erfahren, dass die andere Gruppe (das Paar und der Biologe/Bruder), die grad von einer Austernfischerbrutstaette
zurueckkamen, vier Orkas gesehen haben. Warum ich die verpasst hab, weiss ich nicht.
Dafuer gab es ein interessantes Touristenboot von irgendeinem Veranstalter und ich konnte sie durch das Teleskop beobachten, wie sie an Land gegangen sind.
Die haben ein Buch, wo all die Orkas der Westkueste eingetragen sind mit Fotos der Rueckenflosse und mit wem sie zusammen reisen und unterteilt in residierende (die immer da sind) und welche die
rumziehen. Wir haben auch tatsaechlich einen identifiziert, der eine grosse steile Flosse mit einer Ecke weg hat, den wir vorher schon allein gesehen haben. Im Buch stand, dass er mit einem
Freund reist und als die die vier zusammen gesehen haben, konnten die den Freund auch identifizieren. Die zwei anderen waren ein Weibchen mit Baby, das Baby war wohl noch nicht im Buch drin.
Ein anderer Pfad fuehrt zu einem coolen Felsen, wo irgendwelche besonderen Voegel nisten. Von da hatte man auch eine tolle Aussicht und es war etwas grau und auf der Wasseroberflaeche sass dicker
Nebel, so dass die anderen Inseln aussahen als wuerden sie auf Wolkenkissen schweben. Der Weg dahin ist teilweise recht dunkel, weil die die Baeume so dicht sind. Wenn die grossen Baeume
umkippen, reisst der Wurzelteller mit raus und steht dann senkrecht in die Hoehe. Diese Teller sind teilweise doppelt so gross wie ich, manche noch groesser. Dazu dann herunterhaengendes Moos und
niedrige Rehtunnel durchs Unterholz. Das sah richtig schoen aus und auch ein bisschen unheimlich.
Auf dem Weg dahin hab ich ein Rehkitz mit weissen Flecken auf dem Ruecken gesehen, das war vielleicht suess. Ich hab es und seine Mutter eine ganze Weile beobachtet und es ist staendig hin-und
hergehoppelt.
Auf einer Nachbarinsel (Reef Island) war eine andere Forschungsstation. Dort arbeitet ein Professor und eine Studentin und der Bootsfahrer (den ich auch schon kannte, weil er ein Freund der
Moresby Explorers Leute ist). Sie untersuchen dort den Einfluss der Rehe auf die seltenen Pflanzen. Limestone Island ist begehbar, weil die Rehe alles wegfressen und um uns den Vergleich zu
geben, haben wir zusammen einen Ausflug zu einer Insel gemacht, wo keine Rehe leben. Der Weg dort zum Gipfel fuehrt durch dichtes Unterholz, das sich ueber unseren Koepfen wieder schliesst, so
dass man gebueckt durch einen gruenen Tunnel klettert. Teilweise ging es dabei auch noch steilbergauf und man kleitter durch diesen absolut dichten Tunnel und benutzt die Wurzeln der Baeume als
Leiter. Wir haben auch wieder liegende Baumstaemme als Bruecken benutzt und der Professor ist abgerutscht und ins Gebuesch geflogen.
Wir sind auch noch zu einer anderen Insel gefahren, wo wir mehrere Felsen hochklettern mussten. Ganz oben ist ein richtiger Garten mit unterschiedlichsten Blumen. Sie wachsen alle durcheinander,
so dass es richtig bunt ist.
Hier ist eine Red Columbine:
http://photos.leonardchung.com/d/6968-2/Red_columbine_Aqilegia_formosa.jpg
Shooting Star
http://www.thimblefarms.com/images/dodecatheoncusickii2002.jpg
Es gab auch noch zartrosa und pinke Wildrosenaehnliche und winzige kleine weisse und welche, die aussahen wie gelbe Butterblumen. Passend dazu kam dann auch noch ein Kolibri angeflogen und hat
Nektar gesogen und machte die Szene perfekt.
Der Haushalt wurde aufgeteilt, so dass jeder mal mit allem drankommt (zb Huette fegen, abends kochen, Kompost wegbringen (wegen der Raben haben wir den zur andern Seite der Insel gebracht, sonst
bevoelkern die den Strand vor der Huette) und sowas.
Ich hatte extra ein Rezept mitgebracht, aber ausgerechnet am Tag, wo ich mit kochen dran war, hat der Bruder einen Fisch gefangen. Ich hab dann nur Salat und Moehren-Zwiebel-Reis gemacht und ihm
ueberlassen, den Fisch auseinanderzunehmen. Ich hab aber zugeguckt, ist eigentlich ganz einfach.
Dafuer hab ich wieder Brot gebacken, weil wir soviel gegessen haben. Es ist allerdings nicht ganz so gut geworden wie auf dem Floatcamp. Es war etwas zu hart. Da wir schon mal dabei waren, haben
wir dann noch direkt Kekse gebacken mit allem drinnen, was wir gefunden haben.
Abends habe ich haeufig gelesen oder bin rumspaziert oder wir haben zusammengesessen und uns gegenseitig Denkraetsel gestellt.
Zurueck ging es wieder mit dem Wasserflugzeug. Auf dem Boot wurd es beim Gepaeck verladen ziemlich eng, weil erst die Freiwilligen fuer die naechste Woche und eren Gepaeck und alles ausgeladen
wird und erst dann wird unser Zeug eingeladen. Dabei muss man natuerlich aufpassen, nichts durcheinanderzuschmeissen.
In Charlotte angekommen bin ich rumgelaufen und dann zur Faehrstation, wo mich Marylynn mitgenommen hat, die von der Arbeit in Sandspit rueberkam.
So, Kinder, das waers glaub ich. Vermutlich faellt mir spaeter noch was ein, was ich vergessen hab zu schreiben, aber es muss ja noch was ueber bleiben, was ich persoenlich erzaehlen kann.
Ich werd mich gleich ans packen machen und dann Fernsehen gucken (ich hab vorhin Simpsons geguckt und gemerkt, dass ich die Werbung schon teilweise nicht mehr kenn, sowas geht aber nicht).
Morgen treff ich mich noch mal mit Natalia und mach mich dann am fruehen Nachmittag auf zum Flughafen.
Weils so schoen ist, hier ein Gedicht zum Abschied (bzw Wiederkehr):
Die Heimkehr von Heinrich Heine
Mein Herz, mein Herz ist traurig,
doch lustig leuchtet der Mai;
ich stehe, gelehnt an der Linde,
hoch auf der alten Bastei.
Da drunten fließt der blaue
Stadtgraben in stiller Ruh;
ein Knabe fährt im Kahne,
und angelt und pfeift dazu.
Jenseits erheben sich freundlich,
in winziger, bunter Gestalt,
Lusthäuser, und Gärten, und Menschen,
und Ochsen, und Wiesen, und Wald.
Die Mägde bleichen Wäsche,
und springen im Gras herum;
das Mühlrad stäubt Diamanten,
ich höre sein fernes Gesumm.
Am alten grauen Turme
ein Schilderhäuschen steht;
ein rotgeröckter Bursche
dort auf und nieder geht.
Er spielt mit seiner Flinte,
die funkelt im Sonnenrot,
er präsentiert und schultert -
ich wollt, er schösse mich tot.
ENDE
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